Welches Linux in der Schule?

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Eine Unzahl von Distri­bu­tionen ist erhältlich. Wesentliche An­for­de­rungen für den hek­tischen Schul­alltag: Stabilität des Systems, Sicherheit durch langfristige Updates, Erhält­lich­keit diverser Software für das OS, Doku­men­tation, Community und universelle Lauf­fähig­keit. Eine Distri­bution sollte ein konservatives GUI aufweisen. Kriterium an deutschen Schulen ist auch die Lauf­fähigkeit auf veraltetem Schul-Equipment.

Grundsätzliches

Denken Sie an folgendes Entscheidungsfelder zur Auswahl einer Distribution:

  • GUI_ eine einfache, bewährte GUI ist besser einzurichten. Innovative Konzepte werden von schulischen Anwendern abgelehnt (von wegen ›Digital Natives‹: »kenn ich nicht, mag ich nicht«).
  • Updates_ verwenden Sie als Standard-OS immer eine LTS-Version. Andere Versionen sind teils unstable und machen Probleme durch fehlerhafte Programmierung. Es braucht zuviel Zeit, den Fehlern nachzugehen. Die wichtigen Sicher­heits­aktu­ali­sie­rungen erhalten Sie über den gesamten Unter­stützungs­zeitraum von 5 Jahren für Server- und Desktop.
  • Community_ fragen Sie bei Google um Rat, dann erhalten Sie die meisten Informationen über Ubuntu-OS. Obwohl es oft als »Anfänger­system« empfohlen wird, steht eine breite Wissens- und Erfahrungs­basis zur Verfügung. Mit anderen Worten: Lösungen finden sich schneller, Bugs werden früh beseitigt.
  • Geschwindigkeit_Linux ist daraufhin optimiert, deshalb kommt es gerade für alte Schul­geräte in Betracht. Doch es gibt auch bei Linuxen deutliche Unter­schiede. Unbedingt vor Rollout austesten (z.B: ressourcen­hungriges OS: Ubuntu, sparsam: Lubuntu, Xubuntu)!
  • Stabilität_ nicht alle Distributionen werden ausgiebig gepflegt. Nischen­distributionen oder »aufstrebende« Distries haben ihre Sonderwege und damit (immer) Sonder­probleme.
  • Anwendungs-Software_ nicht jegliche Software ist aktuell für alle Linuxe erhältlich. Ubuntus bieten meistens aktuell gehaltene Software-Repo­sitories. Ansonsten muss man zeit­aufwendig selbst kompilieren.
  • Lauffähigkeit_ trotz der Linux-Verheißung, auf allen Systemen lauffähig zu sein, gibt es Unterschiede. Es hilft nur Austesten (z.B. mittels Life-CD). Meine Empfehlung nach ausgiebigen Testreihen: Ubuntu-Systeme sind da unkompliziert.

Vergleichschart Ubuntus

Linux OSVorteile / Nachteile
UbuntuDas originale Ubuntu scheint das OS zu sein, was man ohne Bedenken installieren kann. Das stimmt auch in vielen Belangen (sicherer Installations­prozess, Verbreitung usw.). Allerdings gibt es einen großen Haken. Unity ist als GUI-Bedienkonzept gewöhnungs­be­dürftig, da zu innovativ (um es positiv zu betrachten). Kommen Schüler oder schlimmer: Lehrer (!) nicht mit dem einge­setzten GUI zurecht, wird es heftig abgelehnt.

Gut ist die kontinuierliche Weiter­entwicklung und durchdachte Gesamt­umgebung von Ubuntu, die auf fast allen Geräten läuft.
Lubuntu und XubuntuDie beiden »Leichtgewichte« sind durchdacht, light und zuverlässig. Lubuntu reicht auch für recht schwache, alte PCs. Konkret: ein Pentium III Prozessor ist die Grenze, aber noch möglich.
Lubuntu ist sehr gut gepflegt; Updates kommen aktuell und zeitnah. Auf neueren PCs ab Core 2 rennt alles sehr schnell und ver­zö­ge­rungs­frei - gut für hektische Arbeiter.
Xubuntu und Lubuntu bieten ein konser­vatives Bedienkonzept. Die Bedienung erfolgt über Task­leisten oben (Xubuntu) oder unten (Lubuntu). Eine Ergänzung durch Dock ist möglich (Xubuntu).
Ubuntu MateÄhnlich den beiden obigen Distributionen ist das Bedien­konzept dieser jungen Distribution bewußt konservativ (über Taskleisten und Pulldown­menus) gehalten.
Die GUI von Ubuntu Mate lässt sich einfach stylen.
Linux MintBasierend auf Ubuntu LTS hat sich diese Distribtion insbesondere durch die schöne GUI weit verbreitet. Ich nutze es in unserer Schule, da Schüler wegen viel Eyecandy und konservativem Bedien­konzept gerne damit arbeiten.

Das System arbeitet recht zuverlässig und läuft flüssig auf fast allen Systemen. Empfehlung: Einsatz ab Core Duo 2.
KubuntuWarum kein Kubuntu? Zunachst eilte dem Kubuntu voraus, ressourcenhungrig und unstable zu sein. Das passte nun gar nicht bei unseren ersten Experimenten mit alten PCs. Mittlerweile scheint es mit der Einführung von ›Plasma 5‹ eine positive Entwicklung geben. Auch ein Hinderungsgrund: innovative GUI (siehe oben, kommt in schulischen Rahmen nicht gut an). Ab der nächsten LTS-Version werden wir testen.
Cent OSCentOS ist kein Ubuntu, sondern ein Abkömmling von RedHat®-Linux. Cent OS ist eine sehr konservative Distribution. Aktuelle Software findet sich kaum oder ist als Paket auch von Fremdquellen nicht erhältlich. Das Bedien­konzept ähnelt den von Ubuntu Mate. Cent OS scheint mir nicht so umfassend dokumentiert wie bei dem verbreiteten Ubuntu. Die Community nutzt CentOS häufig als Serversystem, nicht als Desktop.

Im hektischem Schulalltag wird ein Admin schon überlegen, ob er dieses System einsetzt, wenn nicht alles so schnell und leicht zu installieren (Programme) ist, wie bei einer Ubuntu-Distri­bution. Allerdings hat Cent OS ein paar interessante Vorteile: es läuft stabil, ist sicher und wird bis zu 10 Jahre lang geupdatet. Ein Einsatz als Träger­system für die Stunden­plan­anzeige oder bei Info­terminals der Schul­bibliothek ist denkbar. In diesen Bereichen kommt es auf die oben gelobten Eigenschaften an und nicht auf Innovation.

2 Responses to “Welches Linux in der Schule?”

    • Hallo, wir nutzen durchgehend Cinnamon. Das wirkt ausgereift und hat ›coole‹ Effekte/Extras (z.B. Arbeitsflächen). Cinnamon hat bei Usertests am besten abgeschnitten, sodass es bei uns eingeführt wurde.

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